2 Min. Lesezeit

Zeitpunkte der Reinraum- (Abnahme-) Messungen

Wenn ein Reinraum fertiggestellt wird, so muss dieser nach Norm auch auf die entsprechenden Parameter des Reinraumes gemessen werden. Ob man dies nun Inbetriebnahme, Reinraum Abnahmemessung oder Qualifizierung nennt, ist erst einmal nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass man die Rahmenbedingungen der Messungen definiert.Betriebszustände

Hierzu zählt unter anderem der Betriebszustand des Reinraums.

Die Betriebszustände sind wie folgt definiert:

  • Bereitstellung (As built)
  • Leerlauf (At rest )
  • Fertigung (In operation)

Definition aus den Normen

VDI 2083 Blatt 1 Stand Januar 2022:

Bereitstellung:
Betriebszustand der vollständig angeschlossenen und in Funktion befindlichen Anlage, jedoch ohne Produktionseinrichtungen, ohne Ausrüstung und ohne Personal.

Leerlauf:
Betriebszustand der vollständigen Anlage mit eingebauten und wie zwischen Kunde und Lieferant vereinbart laufenden Produktionseinrichtungen, jedoch ohne Personal.

Fertigung:
Betriebszustand der in der festgelegten Betriebsart laufenden Anlage mit der vorgesehenen, wie vereinbart arbeitenden Personalbesetzung.

In der VDI 2083-3-2022 werden die Betriebszustände "as built", "at rest" und "in operation" empfohlen.

ISO 14644-1 Stand 2016:

Bereitstellung:
Zustand des vollständig angeschlossenen und in Funktion befindlichen Reinraums oder reinen Bereichs, jedoch ohne Produktionseinrichtungen, ohne Ausrüstung und ohne Personal.

Leerlauf: 
Zustand des vollständig eingerichteten und wie vereinbart betriebenen Reinraums oder reinen Bereichs, jedoch ohne Personal.

Betrieb: 
vereinbarter Zustand des in der festgelegten Betriebsart betriebenen Reinraums oder reinen Bereichs mit der Ausrüstung in Betrieb und mit der festgelegten Anzahl anwesender Personen.

In der ISO 14644-2 wird darauf hingewiesen, dass die Abnahmemessung in den Betriebszuständen "as built" und "in operation" zu erfolgen hat.

EU GMP

Band 4 Annex 1 (2008) (Übersetzung aus Bundesanzeiger)

Um den Bedingungen im Betriebszustand zu entsprechen, müssen diese Bereiche so ausgelegt sein, dass bestimmte Luftreinheitsgrade im Ruhezustand erreicht werden. Der „Ruhezustand“ ist der Zustand, in dem die Produktionsausrüstung installiert und ohne Anwesenheit des Bedienungspersonals in Betrieb ist. Der „Betriebszustand“ ist der Zustand, in dem die Anlage in der vorgesehenen Art mit der festgelegten Personenzahl betrieben wird.
Der „Betriebs-“ und „Ruhezustand“ sollte für jeden Reinraum oder Reinraumbereich definiert werden.

Auf jeden Fall muss der Zeitpunkt und der Betriebszustand der Abnahme zwischen dem Betreiber und dem Reinraumersteller und / oder Qualifizierer abgestimmt werden.

Die Qualität der Reinraumumgebung wird nicht alleine durch den Reinraumbau bzw. die reine Umgebung beeinflusst, sondern in besonderem Maße auch durch den Prozess und das eventuell vorhandene Personal. Daher wird ein Ersteller einer reinen Umgebung oder eines Reinraumes normalerweise die Einhaltung der Umgebungsbedingungen nur as built oder at rest (ohne Produktionsequipment) zusagen, da er die Kontamination durch Equipment oder Personal nicht oder nur bedingt beeinflussen kann. Auf der anderen Seite ist für den Betreiber eigentlich „nur“ die „in operation“ Messung ausschlaggebend, da unter diesen Bedingungen das Produkt gefertigt wird.

Um eventuelle Kontaminationsquellen im Reinraum zielgerichtet finden zu können, kann es sinnvoll sein, die Messungen bei verschiedenen Betriebszuständen, insbesondere „at rest“ mit und ohne Equipment und „in operation“ durchzuführen.

Das Produktionsequipment wiederrum kann sowohl einen negativen (z.B. Partikelgeneration durch Abrieb, Wärmequellen) als auch einen positiven (z. B. zusätzliche Partikel-Aufreinigung durch Umluftfiltereinheiten / Werkbänke) Einfluss auf die reine Umgebung haben.

Für „in operation“ Messungen muss man sich entsprechende Vorgehensweisen überlegen, wenn der Testlauf nicht mit dem Original Produkt gefahren werden kann, da bei diesen Messungen ja eventuell zusätzliche Messtechniker im Raum sind, welche natürlich eine zusätzliche Gefahr für das Produkt darstellen können. Dies kann dazu führen, dass die Produktqualität durch die Messungen beeinträchtigt werden kann.

Zusätzlich wird im EU GMP Leitfaden das Testen von „worst case“ Szenarien gefordert. Hier kann man z. B. die maximal zulässige Anzahl der Personen im Raum testen, die man zulassen kann. Es gibt immer Situationen, bei denen mehr Personen im Reinraum sind, als für den normalen Betrieb notwendig sind (z. B. Techniker, Auditoren, Qualitätsmitarbeiter).

Alle diese Punkte sollte man bei der Auswahl des Betriebszustandes beachten. Zumal nicht alle Reinraummessungen in allen Betriebszuständen zu empfehlen sind. Auch hier muss eine genaue Abstimmung über die Art und den Umfang der Messungen im Vorfeld erfolgen.

Wir helfen und beraten Sie gern zu diesem Thema.

Ähnliche Inhalte

Reinraumkleidung: Kleiderordnung in der reinen Umgebung

Reinraumkleidung: Kleiderordnung in der reinen Umgebung

Die Arbeitskleidung des Personals kann maßgeblich dazu beitragen, die Reinheit der reinen Umgebung zu erhalten. Bei der Sicherstellung der...

Read More
Sauberraum oder doch besser Reinraum?

Sauberraum oder doch besser Reinraum?

Seit einigen Jahren geistert der Begriff des Sauberraums durch Kundengespräche und Fachartikel. Doch wie genau wird der „Sauberraum“ definiert? Und...

Read More
Der beste Reinraum ist nur so gut wie die Menschen, die darin arbeiten

Der beste Reinraum ist nur so gut wie die Menschen, die darin arbeiten

Reinräume stellen für viele Unternehmen und Forschungseinrichtungen eine kostenintensive Investition dar. Diese sind aufgrund gestiegener...

Read More